Der Blog für die zweite Lebenshälfte

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Einkaufen lassen – und für später lernen (Für Einzelpersonen, Gemeinden und Bürgerhilfen)

Veröffentlicht in: Allgemein, Hoch!Alt, NACHmachBAR

Einkaufen lassen - und für später lernen (Für Einzelpersonen, Gemeinden und Bürgerhilfen)Der Coronavirus lässt uns jetzt ein paar Dinge lernen, die wir immer für später aufgehoben haben.
Derzeit erreichen uns viele Berichte über Angehörige 8o plus, die plötzlich unbedingt einkaufen gehen müssen, auch wenn sie das sonst eher nicht tun. In Supermärkten beobachten wir eine deutlich erhöhte Zahl von Einkaufenden 65 plus. Melanie Nöll, unsere freie Mitarbeiterin und Koordinatorin der Route55plus in Ziegenhain, hat es auf den Punkt gebracht: Unsere Altersbilder sind das Problem. Uns wird gesagt, die Älteren sind gefährdet. Aber niemand will älter sein. Oder alt.

1. Sich helfen lassen auch wenn ich noch nicht so alt bin.

Aber in diesen Tagen müssen wir ehrlich zu uns sein: Ab 60 Jahre plus, gehören Sie zur Risikogruppe.  Auch wenn Sie sich fit fühlen. Ein erhöhtes Risiko besteht nach derzeitigem Kenntnisstand insbesondere bei Schwangerschaft, Herz- und Kreislauferkrankungen, Asthma, Schädigung innerer Organe, Zuckerkrankheit, Krebspatienten, Immunsupprimierten (durch Cortison, MTX, Biologika, Chemotherapie o.ä.).

Wenn Sie sich zum Beispiel zum Einkaufen in den Supermarkt begeben, riskieren Sie eine Infektion und Sie riskieren, dass Sie jemand infizieren. Dasselbe gilt für Familienfeiern, Skat- und Rommeérunden etc. Der Krankheitsverlauf für Risikogruppen ist lebensgefährlich. Auch wenn Sie keine Angst vorm Sterben haben, so belasten Sie doch bei einer Erkrankung das Gesundheitssystem, das dann möglicherweise keine Ressourcen mehr frei hat, um Menschen zu behandeln, die zum Beispiel einen Herzinfarkt oder Schlaganfall  erleiden. Es geht zurzeit nicht um unsere Freiheiten, sondern um das Wohl der Gemeinschaft. Darum:

  • Rufen Sie den Einkaufsservice Ihrer Pfadfinder o.ä. an und lassen Sie sich Ihre Einkäufe bringen.
  • Telefonieren Sie miteinander. Oft. Denn es ist so wichtig, über diese seltsame Erfahrung zu reden.
  • Rufen Sie Ihre Nachbarn an und reden Sie über das, was Sie hier gelesen haben.

 

  • Trauen Sie sich und nutzen Sie Ihr Smartphone, Tablet oder Laptop und nehmen an diesen Online Veranstaltungen teil. Die Fachstelle Zweite Lebenshälfte hat für nächste Woche und Gründonnerstag einiges vorbereitet. Klicken Sie dazu hier.
    Bleiben Sie gesund!

2. Tipps für Einkaufshilfen/ Zugehende Arbeit im Sorgenetz aufbauen

In vielen Orten werden jetzt Einkaufshilfen für Ältere eingerichtet. PfadfinderInnen, Jugendliche, Erwachsene, die sich im Homeoffice hier und da auch noch nützlich machen möchten. Nun haben wir schon gehört, dass dieser Service kaum abgefragt wird. Das liegt an dem, was ich oben gesagt habe. Oder daran, dass es noch nicht bei der Zielgruppe angekommen ist. Bürger- und Nachbarschaftshilfen machen häufig die Erfahrung, dass viele Helfen wollen, aber wenige die Hilfe abfragen.

Hier ein paar Tipps aus der Praxis, abgeleitet für Coronazeiten

  • Warten Sie nicht, dass die Leute sich melden, gehen Sie auf sie zu. (Wenn Corona rum ist: Stellen Sie Ihre Nachbarschaftshilfe, den Bürgerbus etc. bei Gemeindefesten, in Seniorengruppen und anderen öffentlichen Veranstaltungen vor. Wenn man Sie kennt, ist es leichter, Sie anzurufen. Wenn Fahrer von Bürgerbussen erst mal als nett und zuverlässig erkannt werden, lässt man sich auch fahren.) Für jetzt:
  • Telefonieren sie: Nutzen Sie die vorhandenen Netzwerke. Die Leiterinnen von Seniorenkreisen und Frauenhilfen haben in der Regel die Telefonnummern ihrer Mitglieder. Bitten Sie die Leiterinnen, ihre Teilnehmenden anzurufen und von der Einkaufshilfe zu erzählen. Kontaktnummer nicht vergessen. (Wenn sie schon mal dabei sind, können sie gleich je zwei Gruppenmitglieder miteinander zusammenbringen, dass sie sich regelmäßig anrufen.) Vielleicht können auch die Besuchsdienste solche Telefonate übernehmen.
  • Die Seniorinnen wiederum bekommen von Ihnen die Aufgabe, zu überlegen, wer auch eine Einkaufshilfe braucht, die Nachbarin, der Schwager – und dazu den Auftrag, diese anzurufen. Wenn die SeniorInnen untereinander den Service weiterempfehlen, haben sie einen riesigen Vertrauensvorschuss. Lassen Sie also die Alten für Ihre Sache arbeiten!
  • Es gibt in den Kirchengemeinden Ehrenamtliche, die Gemeindefeste organisieren. Die haben lange Telefonlisten: Teilen Sie sich diese Liste mit ein paar weiteren Ehrenamtlichen auf, rufen Sie alle an, egal wie alt die Leute sind und erzählen Sie von der Einkaufshilfe. Bitten Sie diese Leute, es in die Gemeinde, in die Nachbarschaft, in die Familie weiterzutragen.
  • Rufen Sie Ihre Zeitung nochmal an, damit sie darüber berichtet. Mit Bild von den Einkaufshelfenden.
  • Geben Sie Ihren Einkaufenden ein Schreiben mit, kurz, in Großdruck, mit Logo(s).
  • Setzen Sie die Einkaufsinfo direkt auf die Startseite Ihrer Homepage mit Telefonnummer, damit niemand suchen muss.

Später – „nach Corona“ können Sie an diese Aktionen anknüpfen. Sollten Sie auch.
Sie haben hier gerade eine außergewöhnliche Starthilfe für den Aufbau unserer Sorgenetze, die wir auch auf lange Sicht brauchen werden.

Wir empfehlen Ihnen noch zwei Filme aus unserer Mediathek, in denen Annegret Zander mit Praktikern gesprochen hat:

Gerd Pfahl berichtet über aufsuchende Altenarbeit und Pfarrer Thorsten Waap mitsamt seiner ehrenamtlichen Gemeindeschwester und der AWO Quartiersmanagerin in Heringen sprechen in „Gemeindeschwester neu gedacht“ über die gemeinsame Sorge für ihre Älteren.

Klicken Sie hier zu unserer Mediathek.

 


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