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Der Blog für die zweite Lebenshälfte

Der Blog für die zweite Lebenshälfte

Niemals sterben-wär´das schön?

Veröffentlicht in: Allgemein

(AZ) In den letzten Wochen schwebte immer mal wieder diese Frage durch den Äther: man könne beim Manipulieren der menschlichen Gene die Lebenserwartung des Menschen vielleicht irgendwann unendlich heraus zögern. Aber will man das?
Im Vergleich zu den Menschen  in Deutschland vor 100 Jahren und aktuell zu vielen Regionen z.B.  in Afrika haben wir unsere Lebenserwartung bereits verdoppelt. Der Mensch gewöhnt sich also vermutlich an alles. Die Zahl der 100 -Jährigen steigt exponentiell an, sagt die 2. Heidelberger Hundertjährigen-Studie. Ziemlich bald werden wir sagen, dass Menschen mit 90 allzu früh verstorben sind und 80 echt kein Alter ist.

Was ich von den Hundertjährigen lerne
Ich habe aus der Hundertjährigen Studie einiges gelernt: man kann mit vielen Einschränkungen leben und sein Leben als gut und sinnvoll erleben. Man kann das Leben genießen und zugleich bereit sein für das Ende dieses Lebens. Man kann schon fast nicht mehr da sein und dennoch daran interessiert sein, was in der Welt vorgeht. Und es hört nicht auf, dass man die eigenen Gedanken mit anderen teilen und austauschen möchte.

Das ist gut zu wissen, denn es nimmt mir die Angst vor dem hohen Alter: ich werde auch dies lernen, wie es ist ein alter Mensch zu sein – so wie ich bisher nach dem Laufen und Sprechen noch viele andere Dinge gelernt habe.

Begrenzt – ein Glück
Aber zurück zu meiner Einstiegsfrage: Auf dem Kirchentag stellte der Heidelberger Gerontologe Prof. Andreas Kruse bei der Veranstaltung „endlich leben?!“ die Frage, ob wir mit dem Herausschieben des Todeszeitpunktes nicht auch die Frage vor uns herschieben, was es mit unserer Endlichkeit auf sich hat. Und damit der Gebrechlichkeit und Verletzlichkeit des Lebens – und – ich führe den Gedanken mal weiter –  für viele noch schlimmer:  der Hilfebedürftigkeit  und damit der Abhängigkeit von anderen, nahen und fernen Menschen.

Was nehmen wir uns und den anderen, wenn wir die Endlichkeit nicht lernen wollen? Welche Geschenke gehen uns verloren?  Das weiß ich jetzt noch nicht. Aber ich habe den Verdacht, dass es Geschenke geben wird.

Ich bin inzwischen in einem Alter, wo ich so viele Fehler gemacht, so viel Entmutigendes und Sinnloses erfahren und überlebt habe – dass ich beim nächsten Fehler und der nächsten Talschleife gelassener bin. Immer noch hauen mich Erfahrungen um. Und ich stehe wieder auf. Irgendwer hat das vielleicht mal „kleine Tode“ genannt, Grenzerfahrungen mit sich und anderen. Lauter Vorübungen. Aus manchem lerne ich, anderes wiederhole ich, manches werde ich vielleicht nie hinkriegen. Erfahrungen meiner Endlichkeit. Ich bin begrenzt. Inzwischen erleichtert mich diese Erkenntnis.

Und irgendwann werde ich sagen können „Endlich! Ich bin bereit zu gehen.“

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