Der Blog für die zweite Lebenshälfte

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Advent: „Wie uns die Alten sungen“ und ein Teller Apfelschnitzen

Veröffentlicht in: Älterwerden (im Selbstversuch), Andacht/ Spiritualität, Ideen für Gruppen

Advent: Es ist ein Ros entsprungen aus einer Wurzel zart,
wie uns die Alten sungen, von Jesse kam die Art
und hat ein Blümlein bracht
mitten im kalten Winter
wohl zu der halben Nacht.

„Vitaminchen“
Als ich ein Kind war, gab es im Winter bei den sonntäglichen Besuchen bei meiner Oma immer Tellerchen mit Apfel- und Mandarinenschnitzen. Sie waren liebevoll zu Blümchen zusammengelegt. „Vitaminchen“, sagte meine Oma und stellte sie den Enkelkindern hin.
Anna Zander, geborene Horst. Anna Zander hat sich in diesem Jahr in mein Bewusstsein geschoben. Ich weiß nicht wieso, sie starb 1984. Sie ist irgendwie da, gehört zu meinen „Alten“, zu den Ahninnen und Ahnen, von denen wir abstammen, von denen wir die Wangenknochen, die Form der Nase, Familiensprüche, gute und schlechte Angewohnheiten und auch ein Stückchen Glauben geerbt haben.

Als mein Kind groß genug war für Apfelschnitzen, ertappte ich mich dabei, dass ich die „Äpfelchen“ liebevoll (mehr …)


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Wo bleibst du Trost?

Veröffentlicht in: Allgemein, Andacht/ Spiritualität, Endlichkeit, Ideen für Gruppen

Dieses Jahr wird es ernst. Das Haus, das ich leite, wird geschlossen. Für viele geht ein Rückzugsort, eine Kraftquelle, ein Ort der Inspiration, eine Heimat verloren. Der Abschiedsmarathon hat begonnen. 25 Menschen verlieren ihren Arbeitsplatz. 25 Familien haben keine fröhlichen Weihnachten vor sich.

Und bei Ihnen?
Weihnachten wird es immer. Gnadenlos. Ob wir in guter Verfassung sind oder in schlechter. Ob das Jahr gelungen ist oder uns leer und ausgelaugt ausspuckt.

Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt,
darauf sie all ihr Hoffnung stellt?
O komm, ach komm vom höchsten Saal,
komm tröst uns hier im Jammersaal.

(Friedrich Spee, vierte Strophe des Adventsliedes „O Heiland, reiß die Himmel auf“)

Eigentlich hätte ich eine Weihnachtsfeier organisieren sollen – so wie jedes Jahr. Aber dieses Jahr geht das nicht. Jedes Geschenk, das ich in die Hand nahm und betrachtete, schlug mir die Härte dieser Tage nur noch heftiger um die Ohren. Trauernde kennen das sicher und all die, die Trauernden gerne etwas Gutes tun würden.

Aber etwas ist schon geschehen.

  • Wir haben trotzdem das Haus geschmückt. Mit Tannengrün und roten Äpfeln. Schlicht und warm. Eine Liebeserklärung an ein Haus, an die Menschen, die uns besuchen, eine Wohltat für unser Herz.
  • Wir haben trotzdem Plätzchen gebacken – in unserer großen Küche und in der Atelierküche mit den Kindern der  Weihnachtswerkstatt am ersten Adventswochenende. Die Hände taten etwas Gleichmäßiges, Schönes, Befriedigendes. Es hat geduftet – und die großen und kleinen Menschen haben geleuchtet.
  • Wir haben trotzdem gesungen. Mit Tränen in der Stimme bis die Seele etwas Ruhe fand.

Wir haben das gemeinsam getan. Die adventlichen Rituale, die manches Jahr zur Pflicht verkommen, haben uns getragen.

Was ist Trost?
Jemand schiebt mir wieder den Boden unter die Füße mit einem „Komm, ich koch erst mal Kaffee.“
Jemand sagt „Erzähl mal“ und hört mir zu, ohne mich zu unterbrechen, ohne Worte der Vertröstung.
Jemand fragt „Was würde dich jetzt stärken?“ und kocht mir außerdem eine gute Suppe.

Und was ist mit dem „Trost der ganzen Welt“?
In einem Jahr, in dem ich die Machtlosigkeit persönlich kennen gelernt habe, kommt mir diese Geschichte von dem Säugling in der Krippe, der die Welt retten soll, noch merkwürdiger vor als sonst. Man könnte es fast als Witz bezeichnen. Die BILD titelt  „Baby rettet Welt“. Ja, klar.

Aber in Wirklichkeit ist diese Sache subversiv, irritierend und bringt den Weltablauf ins Stolpern. Ein König wurde erwartet, ein Kind ist gekommen. Gott macht das nämlich anders als die üblichen Mächtigen. Und so wird es machbar. Die Welt verändert sich im Kleinen. Und wir uns mit dem Kind im Arm.

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Der alte König? Kommt zum Tee.

Veröffentlicht in: Allgemein, Andacht/ Spiritualität, Ideen für Gruppen

Fragen Sie sich, was Weihnachten Ihnen als erwachsenem Menschen zu sagen hat? Ich habe für mich etwas Neues entdeckt. Der alte König, der Herr der Herrlichkeit, hat abgedankt und hat sich als  Freundin zum Tee angekündigt. Wie ich darauf komme?:
Im Advent und an Weihnachten spielen wir gewissermaßen nach, was die Menschen zurzeit Jesu bewegte und veränderte. Advent bedeutet übersetzt „auf die Ankunft eines Königs oder einer Amtsperson warten“.  Doch wenn ich versuche, meinem sechsjährigen Patenkind das Wort „nach Christi Geburt“ zu erklären, stelle ich fest, dass es mir genauso fremd ist, wie ihm. „Christus“ ein Wort aus einer lang vergangenen Zeit, damals vielleicht das „Dauer -Wort des Jahres“. Es bedeutet übersetzt der Gesalbte, der Erlöser, auf den die Menschen zur Zeit von Jesu Geburt und die Juden noch heute warten.

Wessen Herrschaft?
Damals waren Könige eine reale Macht. Heute zieren sie „Das Goldene Blatt“. Damals legte ein König Herodes den Menschen schlimme Steuern auf. Heute zittern wir vor der Macht der Ratingagenturen. Damals warteten die Menschen auf die Befreiung aus fremder römischer Herrschaft. Heute zelten Menschen vor Börsen in der Hoffnung auf die Befreiung aus der (mehr …)


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Weichgespühlte Weihnacht? – Bitte nicht jetzt – und später auch nicht

Veröffentlicht in: Allgemein, Andacht/ Spiritualität, Ideen für Gruppen

In meinen Lieblingsläden gehts jetzt los. Dschingeling und Dreaming-of-a- wonderful-Weihnachtsdudel. Ich war kurz davor, den Marktleiter anzusprechen, ob man damit nicht doch noch ein paaaar Tage warten könne. Schließlich haben wir dieses Jahr besonders lang Advent.

Nun muss ich mich beruflich ja doch schon mal auf all dies einstellen. Doch dieses Jahr habe ich eigenlich nur Sehnsucht nach einer Kerze und viel Singen.  Am liebsten stille Lieder: „Wie soll ich dich empfangen…“ Beim Blättern in den alten Gedichten und Liedern stelle ich wieder einmal fest: früher wars auch nicht besser.  Schmalz und Kitsch. „Süßer die Glocken nie klingen…“

Frau W. (87) hat heute geweint. Sie musste an die Kinder denken, die schon lange vor ihr starben. Und dass sie schon 30 Jahre allein ist. Sie versucht sonst nicht zu weinen. Aber heute passierte es. Und Frau W. und allen Frau W.s möchte ich den Kitsch ersparen. Bitte keine weichgespühlte Weihnacht, kein süßlicher Advent.

Ich fand ein Zitat von Fulbert Steffensky. Das wage ich hier in Auszügen zu zitieren: „Was ich über die Hoffnung sage, sage ich als alter Mensch. Ich weiß nicht, ob es allen Alten so geht, sicher aber vielen, dass sie nicht mehr in stimmigen und einleuchtenden theologischen Zusammenhängen reden; nicht weil der Verstand schwächer geworden ist, sondern weil einem das Leben (mehr …)


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