Der Blog für die zweite Lebenshälfte

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Psalm unter dem Tor (nach Psalm 139)

Veröffentlicht in: Allgemein, Andacht/ Spiritualität, Ideen für Gruppen
Psalm unter dem Tor (nach Psalm 139)

Eberhard Warns

(Resonanz auf Psalm 139 und die Bilder von Eberhard Warns, Pfarrer, Künstler innerhalb seines Lebens mit Demenz)

Von allen Seiten kommen sie,
die Gedanken wie Menschen – wo soll ich hingehen
wohin fliehen vor der Fülle
einer Welt, die ich nicht mehr verstehe
verstehst du mich?

Wo gehe ich hin,  wo geht’s hier hin wo geht’s hier lang wobinichdenn
Von allen Seiten umgibt mich
Etwas
Du?
Wer warst du? DU? Ich hab dich doch gespürt, als du den Bogen über mein Leben stelltest.
Von allen Seiten

Mein Verstand hat mich verlassen, ich kenne mich nicht mehr.
Aber du. Dein Buch. Du hast es nicht verlegt.
Ich bin darin eingegraben.

Ich danke dir, dass ich wunderbar gemacht bin.
Ich danke dir für die Morgenröte. Sie streichelt meine Seele, wenn nur noch Farben mich erreichen.

Manchmal möchte ich tot sein, nicht mehr niedergedrückt, von dem was ich mal wusste und dem was andere von mir wollen.
Manchmal möchte ich das Tor durchschreiten,
den Lichtstrahl ergreifen, den du mir hinhältst.

Von allen Seiten du. Wie eine Schale, wie ein Schoß, du hältst deine Hand unter mir.

Annegret Zander


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„Ich will Freiheit beim Malen“ Eröffnungsrede zur Ausstellung der Gemälde von Eberhard Warns

Veröffentlicht in: Allgemein

„Ich will Freiheit beim Malen“ Eröffnungsrede zur Ausstellung der Gemälde von Eberhard Warns

"!Wut u. Mut!!", Eberhard Warns

„Ich will Freiheit beim Malen“ – Kunst trotz Demenz, Gemälde von Eberhard Warns

Inzwischen würde ich den Untertitel ändern in „Kunst und Demenz“. Ich würde gerne von dem Bild des Kampfes gegen eine Krankheit wegkommen und stattdessen den Blick auf die Möglichkeiten richten, die auch in einem Leben mit Demenz zu entdecken und zu entfalten sind.

Eberhard Warns 1927 geboren, war  Pfarrer in der Schülerarbeit, in der Gemeinde und zuletzt als Brüderpfarrer in Bethel u.v.m. Ein Jahr nach seiner Pensionierung gab es erste Anzeichen einer Demenz, die in den folgenden 17 Jahren immer weiter fortschritt.  Er verstarb im Jahr 2007.
Seine Frau Else Natalie Warns hat ihn in all diesen Jahren bis an die Grenzen ihrer Kraft begleitet. Ein Durchbruch in einer schlimmen Zeit etwa 4 Jahre vor seinem Tod geschah, als er eines Nachts aufwachte mit dem Ruf „Ich will Freiheit beim Malen!“. Sie besorgte ihm Pinsel, gute Farben und  großformatiges Papier, stellte ihm später auch eine Künstlerin (keine Kunsttherapeutin!) zur Seite und gab ihm dadurch die Möglichkeit seiner Freiheit Ausdruck zu geben.

In dem von ihr herausgegebenen Buch (E.N. Warns, Hg. „Ich will Freiheit beim Malen“. Kunst als autonome Kommunikation eines Menschen mit Demenz),  finden sich zahlreiche Dokumente, wie über diese Bilder wieder Kontakt möglich wurde. Eberhard bekam wieder Kontakt zu sich selbst, zu seiner Kraft. Ein Bild hat er selbst betitelt: „!Wut u. Mut !!“ Es ist anders in der Formsprache als die meisten anderen Werke. Mit großer Kraft ausgeführt, ein wilder, und zugleich konzentrierter Tanz. Es fasst für mich emotional zusammen, was in seinen Bildern zum Ausdruck kommt.
Wut ist eine starke Kraft, zuweilen wurde sie wild, gar gewalttätig.  All unsere Emotionen sind eine starke Kraft. Und vielleicht ist die Verlagerung in der Demenz vom Verstand auf die Gefühle ein Geschenk, das wir von dieser Krankheit empfangen können. Die Wut und all die anderen Gefühle konnten sich bei Eberhard Warns in Lebensmut verwandeln. Eine Botschaft, (mehr …)


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Else Natalie Warns eröffnet Ausstellung „Ich will Freiheit beim Malen!“

Veröffentlicht in: Allgemein

Else Natalie Warns eröffnet Ausstellung Heute, Mittwoch, den 9. Februar um 19 Uhr eröffne ich gemeinsam mit Else Natalie Warns die Ausstellung der Bilder ihres Mannes Eberhard Warns.

Pfarrer Eberhard Warns erkrankte zu Beginn seines Ruhestandes an Demenz. In einer schwierigen Phase, als Sprache und vieles andere keine Ebene des Kontakts mehr waren, erwachte er eines nachts mit dem Ruf “ Ich will Freiheit beim Malen!“
Seine Frau gab ihm Pinsel, Farbe, Papier – und eine neue Möglichkeit, mit sich selbst und mit anderen in Kontakt zu treten. Die Bilder sind bis Aschermittwoch bei uns zu sehen. Ich gebe gerne Führungen durch die beeindruckenden Werke. Ich entdecke zurzeit, welche Geschenke auch in einer Demenz zu finden sind. Bald mehr. Else Natalie Warns berichtet aus ihren Erfahrungen mit ihrem Mann und den Bildern.

Geöffnet i.d.R. 9-16 Uhr (sonntags-15 Uhr), eintritt frei. Cappuccino gibt´s auch!


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Wege aus dem alten Jahr – Schnittmuster/Schrittmuster

Veröffentlicht in: Allgemein, Andacht/ Spiritualität

Wege aus dem alten Jahr - Schnittmuster/SchrittmusterWer schon mal selbst genäht hat, weiß vovon ich spreche: ein riesengroßer Bogen hauchdünnen Papiers, darauf Linien aller Art, man kniet halb liegend auf dem Boden und versucht die richtige Linie mit dem Rädchen zu verfolgen.  Das erinnert mich manchmal ans „richtige Leben“. Nicht nur Spaßmacher haben Schnittmusterbögen als Landkarten ausgegeben. Dorothee Becker hat ein Erlebnis von 1945 gefunden, wo eine verzweifelte Mutter einem jungen russischen Soldaten ein Schnittmuster in die Hand drückte, weil der unbedingt wissen wollte, wo Berlin liegt. Ihre Ausstellung bei uns im ebz spielt mit dem Motiv des Schnittmusters als Wegweiser. In ihren Aus-Schnitten aus den alten Schnittmusterbögen ihrer Mutter entstanden kleine geheimnisvolle Botschaften. Sie sind noch bis zum 16. Januar zu sehen.

Wege aus dem alten Jahr - Schnittmuster/Schrittmuster

Wie waren die Wege Ihres Jahres? Waren sie gerade und leicht zu finden?, gestrichelt , gepunktet, durchkreuzt, sodass Sie sich verlaufen haben? Haben Sie ein Zuhause gefunden? Ihre Frau, Ihren Mann gestanden?

Ich wünsche Ihnen einen guten und gesegneten Übergang ins Neue Jahr und hoffe, dass sich unsere Wege virtuell oder im ebz kreuzen werden.


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Demenz und Demografischer Wandel – Veranstaltung am 3.11. in Marburg

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Demenz und Demografischer Wandel - Veranstaltung am 3.11. in Marburg

Foto: Jörg Kassühlke

Ihr Name steht auf der Tasse. Vielleicht weiß sie ihn noch. Vielleicht hat sie sich morgen vergessen. An ihrem Küchentisch – zu Hause und doch auf dem Sprung. Die Tasche als kleinster möglicher Nenner der Unabhängigkeit. Und frau weiß: die Handtasche birgt ein kleines Universum. Elfriede Scherer kann auch anders: fröhlich lacht sie mit den anderen. Bevor die Unruhe sie wieder packt.

 Wie wir, die wir uns noch an uns erinnern mit unseren selbst-vergesslichen Menschen umgehen – das wird uns einiges an Langmut, Humor und Kreativität abverlangen. Die Aktion Demenz e.V. initiiert die Integration von Menschen mit Demenz mitten im normalen Leben. Unser Fachbeiratsmitglied Reimer Gronemeyer hat den Vorsitz und ist am 3. 11. in Marburg zu erleben. Das sollten Sie sich nicht entgehen lassen.
Im Kontext unserer Altersbilder Ausstellung also ein Veranstaltungstipp:
Veranstaltung des neuen BiP (Beratungszentrum mit integriertem Pflegestützpunkt) in Marburg hinweisen: Mittwoch, 03.11.2010, 18:00 Uhr
Demenz und demografischer Wandel – zivilgesellschaftliche Herausforderungen
(Kooperationsveranstaltung der Universitätsstadt Marburg, des Landkreises Marburg-Biedenkopf und der Aktion Demenz e.V.)
Ort: TTZ – Technologie- und Tagungszentrum, Raum Pascal 1, Am Mühlgraben, 35037 Marburg.
Eintritt frei – weitere Informationen unter: info@aktion-demenz.de oder 0641 99 232 06
Flyer: Demenz Demenz 031110 MR

ab 16:30 Uhr, Besichtigung der Fotoausstellung Altersbilder im Bip, Am Grün 16


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Freitag, 29.10.: Altersbilder-Fotoausstellung in Marburg

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Freitag, 29.10.: Altersbilder-Fotoausstellung in Marburg

Foto Jörg Kassühlke

Unsere Wanderausstellung ist wieder an einem besonderen Ort gelandet. In Marburg wird ein Beratungszentrum mit integriertem Pflegestützpunkt  eröffnet. Am Freitag, den 29. Oktober beginnt dieses neue Angebot mit einem Tag der Offenen Tür ( Am Grün 16) Hier das Programm Ausstellung MR Gesamtplakat1:
12:30 Uhr DIE Anlaufstellen für Pflege (Pflegestützpunkt und Pflegebüro)
13:30 Uhr Patientenverfügung und rechtliche Vorsorge (Betreuungsverein)
14:30 Uhr „Nicht nur auf einer Schulter tragen…“ (Alzheimer Gesellschaft)
15:30 Uhr 60+ und freie Zeit?? (Freiwilligenagentur)
16:30 Uhr Altern in Marburg 2050 – eine Zeitreise (Altenplanung)

Mehr zu den Fotografien und Resonanzen auf die Ausstellung in Jörg Kassühlkes Blog.


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