Der Blog für die zweite Lebenshälfte

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Umzug in ein neues Leben mit Mitte 70 – warum auch Jüngere dies lesen sollten

Veröffentlicht in: Älterwerden (im Selbstversuch), Ideen für Gruppen

Frau Mertin, Mitte 70,  zieht um. Ihr Reihenhäuschen, in dem sie über 30 Jahre wohnte, ist verkauft. Sie mietet eine Wohnung im betreuten Wohnangebot der Diakonie. Die Entscheidung ist ihr nicht leicht gefallen. schließlich ist hier ihr Sohn groß geworden, hat sie hier mit ihrem Mann gelebt, hat Freundschaften geschlossen.  Aber der Garten, das Haus, die vielen Treppen, sie wurden immer mehr zu einer Belastung.
Zu ihrer Überraschung hat ihr Sohn ihr sehr zugeredet, diesen Schritt zu wagen. Er ist sogar sehr erleichtert, dass seine Mutter diese Entscheidung selbst getroffen hat. Sie zieht selbstbestimmt um, entscheidet selbst, was sie mitnimmt und was zurückbleibt. Nur die Stadt verlassen solle sie nicht. Warum auch. Ist es doch ihr vertrautes Umfeld. Nun wird sie bald mittendrin wohnen, im Stadtzentrum. Schöne 3-Zimmer-Wohnung, sodass die Enkelin noch kommen kann. Die ist eh begeistert: da ist gleich nebenan ein toller Spielplatz!

Frau Mertin ist erleichtert. Eine Last ist ihr von den Schultern gefallen und seit sie sich entschlossen hat, diesen Schritt zu wagen, hat sie einen großen Schwung entwickelt. Nach der Entscheidung ging alles schnell: Wohnung gefunden, Haus verkauft. Ein Abschiedsfest gefeiert. Nun wird ausgemistet, gepackt, geplant.

Sie freut sich auf ihre neue Wohnung. Die Nachbarn scheinen freundlich zu sein. Vor jeder Haustür in dem hellen luftigen Gebäude stehen Blumen. Ein Gärtchen ist auch da, falls sie doch noch einmal ein wenig in der Erde wühlen will.

Der Sohn ist erleichtert. Er wird seine Mutter nicht  irgendwann einmal mit schlechtem Gewissen gegen ihren Willen aus der Wohnung zerren müssen. So wie es vielen geht, deren Eltern sagten „Ich bleib daheim“ – und sich dann nicht darum kümmerten, wie das gehen soll, wenn sie einmal nicht mehr in die Badewanne steigen können und die Treppen unüberwindbar werden.

Frau Mertin  hat in ihrer Verwandschaft und dem Bekanntenkreis große Bewunderung und Diskussionen ausgelöst. Denn alle anderen fragen sich jetzt auch: Wie würde ich das machen? Könnte ich das auch so? Wie will ich eigentlich im Alter wohnen?

Je eher Sie, liebe Leserin , lieber Leser, sich darüber Gedanken machen und mit ihren Angehörigen besprechen, desto besser. Je eher das „irgendwann gehen wir auch mal ins betreute Wohnen“ konkret geplant wird, desto leichter wird es später gehen. Und wenn Sie jetzt gerade bauen, dann denken sie schon daran, ob Sie im Alter wirklich noch hier wohnen können.


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2 Kommentare zu “Umzug in ein neues Leben mit Mitte 70 – warum auch Jüngere dies lesen sollten”

Martina sagt:

Ein beruhigender Artikel. Mich würde noch interessieren, wie dauerhaft die Lösung „Betreutes Wohnen“ eigentlich ist. Ich hab mich schon erkundigt und einiges zu den Pflegegleistungen erfahren. Aber soweit ich das verstehe, sind das alles ambulante Leistungen, was aber, wenn das nicht mehr ausreicht? Wie leicht ist der Übergang vom Betreuten Wohnen zur Vollstationären Pflege, falls das einmal notwendig wird?

Hallo Martina,
das hängt ganz vom Portfolio der jeweiligen Einrichtung ab. Manche haben diesbezüglich ein engmaschiges Netz, bei anderen muss man sich selbst kümmern. Es ist ein wichtiger Punkt, den man beim Vorgespräch nicht vergessen sollte. Und es ist auch ein wichtiger Punkt bei der Klärung für sich selbst, dass man schon frühzeitig recherchiert, wo man denn im Pflegefall hin möchte. Wer das nicht tut, bzw. nicht mit seinen Angehörigen darüber redet, kommt wohlmöglich in eine Situation, die man so nicht wollte. Das alles wiederum hängt auch vom Budget ab… Aber insgesamt ist es gut, sich zu informieren und mit den Nahestehenden zu besprechen, damit die Selbstbestimmung auch im Notfall noch greift.
Alles Gute bei den Planungen!
Annegret Zander

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